Jahresanfang. Neue Energie. Neue Vorsätze. Und dann, spätestens nach zwei bis drei Wochen, ist die Motivation weg und alles bleibt beim Alten. Klingt bekannt? Du bist nicht zu wenig diszipliniert und hast auch nicht zu wenig Willenskraft. Meistens liegt es einfach daran, dass der gewählte Ansatz langfristig einfach nicht trägt. Als diplomierte Ernährungsberaterin begleite ich Menschen seit Jahren dabei, ihre Gewohnheiten wirklich zu verändern, nicht für drei Wochen, sondern dauerhaft.
Hier sind die Prinzipien, die dabei tatsächlich helfen.
Warum Gewohnheiten so schwer zu verändern sind
Gewohnheiten entstehen früh, oft schon in der Kindheit, und verankern sich tief in unserem Autopiloten. Sie laufen ab, ohne dass wir gross darüber nachdenken. Das ist auch gut so, denn es spart Energie. Aber genau deshalb braucht es Zeit und Geduld, sie zu verändern. Wer über mehrere Monate Gewicht zugenommen hat, wird auch mehrere Monate brauchen, bis sich etwas verändert. Alles, was schnelle Resultate verspricht, Saftkuren, Crash-Diäten, irgendwelche Pulver, motiviert kurzfristig, löst aber nichts nachhaltig. Besser ist es, in Zyklen von drei bis sechs Monaten zu denken und ehrlich einzuschätzen, was realistisch ist.
Welcher Typ bist du?
Nicht alle Menschen brauchen denselben Ansatz. Manche brauchen einen klaren Schnitt: klare Regeln, ein Neustart, volle Konzentration. Das gibt Sicherheit und funktioniert für sie gut. Andere kommen mit einem radikalen Ansatz kurzfristig zurecht, brechen aber schnell ab und brauchen stattdessen kleine, kontinuierliche Anpassungen. Keiner der beiden Wege ist falsch. Entscheidend ist, ehrlich zu erkennen, welcher Typ man ist, und dann den passenden Weg zu gehen.
Regelmässigkeit schlägt Intensität
Das Wichtigste beim Aufbau neuer Gewohnheiten ist nicht die Intensität, sondern die Wiederholung. Ein fixer Zeitpunkt, an dem die neue Gewohnheit an eine bestehende Routine angehängt wird, ist dabei Gold wert. Nach dem Zähneputzen direkt auf die Fitnessmatte, nach der Arbeit immer spazieren gehen, morgens fünf Minuten Bewegung einbauen. Der Widerstand muss so klein wie möglich sein, denn was sich anfühlt wie zu viel, wird langfristig nicht gemacht. Dasselbe gilt für die Ernährung: zwei bis drei Mal pro Woche einen Salat als Vorspeise, im Winter eine einfache Suppe, nach dem Sport ein Smoothie mit Gemüse. Mehr hinzufügen statt etwas verbieten ist fast immer der bessere erste Schritt.
Das Umfeld macht den Unterschied
Gewohnheiten gelingen leichter, wenn man sie nicht alleine trägt. Ein gemeinsames Fitnessabo, einmal pro Woche zusammen kochen, oder das Ziel laut aussprechen gegenüber dem Partner, einer Freundin oder einem Familienmitglied. Der soziale Druck, der dadurch entsteht, ist kein Negativding, er ist ein echter und unterschätzter Motivationsfaktor.
Willenskraft ist begrenzt
Willenskraft ist eine endliche Ressource. Jede Entscheidung im Laufe des Tages verbraucht davon. Abends ist das Reservoir oft leer, besonders mit Kindern oder einem stressigen Alltag. Was wirklich hilft, ist Vorausplanung. Wer weiss, dass er nach Hause kommt und hungrig vor dem Kühlschrank steht, plant das voraus: Snackgemüse bereitstellen, Tiefkühlgemüse einlagern, eine schnelle Standardmahlzeit kennen, die keine neue Entscheidung braucht. In Momenten mit Energie planen, damit man in schwachen Momenten nicht neu denken muss.
Wenn etwas reduziert oder weggelassen werden soll
Auch hier gilt: zuerst Bewusstsein schaffen. Zwei bis drei Tage lang aufschreiben, wie viel Zeit wirklich am Handy verbracht wird, wie süss man isst, wie oft abends Alkohol getrunken wird. Auf einen Monat hochgerechnet überrascht das Ergebnis oft. Dann kommt die wichtigere Frage: Warum passiert das überhaupt? Essen, Scrollen und Alkohol sind häufig Regulationsstrategien für Stress, Langeweile oder emotionale Erschöpfung. Wer das erkennt, braucht nicht einfach mehr Disziplin, sondern eine Alternative: Atemübungen, ein kurzer Spaziergang, Bewegung. Eine kleine persönliche Liste mit Alternativen hilft, in genau diesen Momenten nicht ins alte Muster zu fallen.
Eine liebevolle Haltung als Grundlage
Verhaltensveränderung gelingt nicht durch Selbstkritik, sondern durch Selbstliebe. Wir haben nur einen Körper. Wer das einmal wirklich verinnerlicht, verändert Gewohnheiten nicht mehr aus Bestrafung, sondern aus Fürsorge für sich selbst. Eine einzige Gewohnheit wählen, den fixen Zeitpunkt planen, das Ziel mit jemandem teilen und starten, auch wenn es noch nicht perfekt ist. Das reicht, um anzufangen.
Bei Fragen oder dem Wunsch nach persönlicher Begleitung bin ich gerne für dich da: auf Instagram (öffnet in neuem Tab) oder per E-Mail an info@praxisbauchgefuehl.ch.

Die Folge zum Artikel
Gewohnheiten nachhaltig verändern – warum Motivation nicht reicht
